<p type="main" id="id7766568">Moritz Schlick an Albert Einstein</p>

<p type="main" id="id7766640"/> <p type="main" id="id7766712">Wien V.</p>

<p type="main" id="id7766784">Prinz-Eugen-Str. 68</p>

<p type="main" id="id7766856"/> <p type="main" id="id7766928">1. Februar 1926</p>

<p type="main" id="id7769664"/> <p type="main" id="id7769808">Lieber, hochverehrter Herr Professor,</p>

<p type="main" id="id7769736">Ihr Artikel über Mach ist glücklich angekommen, und ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Freundlichkeit; nicht nur in meinem eigenen, sondern auch im Namen der Denkmalskommission, und, wie ich wohl hinzufügen darf, im Namen der zahlreichen hiesigen Verehrer Machs, die sich über Ihren Beitrag ebenso freuen werden, wie über die Aufstellung des Denkmals überhaupt. Dass Sie einige Worte der Kritik einfliessen liessen, ist natürlich ganz in der Ordnung, und Ihre Zeilen scheinen mir deswegen sogar noch besser geeignet, das Andenken Machs durch eine objektive Würdigung zu ehren, als wenn nur einseitig das ganz Unbestreitbare an seiner Philosophie hervorgehoben wurde.</p>

<p type="main" id="id7769880">Übrigens musste die Aufstellung des Denkmals aus technischen Gründen verschoben werden und wird erst in drei bis vier Wochen stattfinden. Ich bedaure daher, dass ich Sie ein wenig gedrängt habe.</p>

<p type="main" id="id7769952">Ich hoffe mit Ihnen, dass die Angelegenheit Reichenbach unseren Wünschen entsprechend geregelt wird. Philipp Frank aus Prag war kürzlich hier und erzählte, dass in absehbarer Zeit in Prag ein besonderer Lehrstuhl für Naturphilosophie errichtet werden soll. Er will Reichenbach an erster Stelle vorschlagen, und an zweiter Stelle den Herrn Carnap, von dem ich Ihnen schon erzählt habe, und der sich jetzt hier habilitieren wird. Seine Habilitationsschrift ist wirklich ein ganz hervorragendes Werk und wird auch Ihnen, wenn sie im Druck erscheint, grosse Freude machen. Reichenbachs letzte Arbeit über die Kausalstruktur der Welt in den Bayrischen Sitzungsberichten haben Sie gewiss schon gelesen. Ich finde sie in der Durchführung sehr scharfsinnig, kann aber den Voraussetzungen gar nicht zustimmen<note id="id7770024" n="1"> <p type="main" id="id7767144">Vgl. Brief von Schlick an H. Reichenbach vom 18.3.1926.</p>

</note>. Ich wäre ausserordentlich gespannt, Ihre Meinung darüber zu hören, wage aber nicht, Sie um eine Äusserung zu bitten, da ich weiss, wie beschäftigt Sie sind.</p>

<p type="main" id="id17128736">Es tut mir leid, dass Sie jetzt so überlastet sind, ich hoffe von ganzem Herzen, dass Sie trotzdem den allergrössten Teil Ihrer Zeit der Fortentwicklung der Relativität und der Quanten widmen können.</p>

<p type="main" id="id17125856">Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit und das Wohl der Ihren,</p>

<p type="main" id="id17128808">in dankbarer Verehrung</p>

<p type="main" id="id17128880">Ihr</p>

<p type="main" id="id17128952">M.Schlick</p>

<p type="main" id="id17125424"/> </chap> </body> </text> </archimedes>
xmlpage.tmpl Fri Apr 25 01:42:13 2014